Botschafter & Kontakt

Staegestadt-Projektgruppe
Die „Stägestadt“-Projektgruppe (von links nach rechts): Willi Dahinden, Patrick Fust, Klaus Stadler, Judith Ammann, Fredi Hächler, Marcel Thoma; auf dem Bild fehlt Marco Hermann

Botschafterin Jelena Gernert, Videojournalistin und KamerafrauJelena_Gernert„Die Treppen bestimmen meine Wege, seitdem ich in St.Gallen lebe. Zuerst waren der Speicherweg und die Gesstreppe mein Weg ins Grüne und zur schönen Aussicht. Heute gehört ein Stück der Berneggtreppe zu meinem täglichen Arbeitsweg. In St.Gallen habe ich gelernt, dass Velofahren, wie ich es in anderen Städten meistens gemacht hatte, oft Umwege bedeutet. Denn der direkte Weg geht über die Treppe. Und ich habe den Charme der Treppen in den verschiedenen Jahreszeiten lieben gelernt: umrahmt von blühenden Büschen im Frühling, als schattige Plätze im Sommer, mit raschelnden oder schlüpfrigen Blättern überdeckt im Herbst und vom Schnee zugedeckt im Winter. Die verwunschene Wintertreppe, die unter dem Schnee kaum mehr sichtbar ist, gefällt mir am besten. Dann stelle ich mir immer vor, wie es jetzt wäre, die vom Schnee geebnete Treppe mit den Skiern hinunterzufahren.“

Botschafter Marcus Schäfer, SchauspielerMarcus_Schaefer
„Sommers wie winters sind die Stäge mir eine liebgewonnene Verbindung zwischen Alltag und Erholung, Arbeit und Freizeit, Enge der Stadt und freiem Ausblick über Hügel und Bodensee. Ich schätze die Herausforderung, möglichst flott hinaufzukommen, und geniesse besonders das leichtfüssige Hinuntertraben nach einem schönen Spaziergang, einem schweisstreibenden Lauf oder einem erfrischenden Bad in den Weieren. Das alles direkt vor der Haustür zu haben, ist für mich ein richtiger Glücksfall.“

Botschafter Karl Schimke, MusikerKarl_Schimke
„Von 1998 bis 2012 wohnte ich mit meiner Familie an der Tigerbergstrasse. Während diesen 14 Jahren war das Dohlengässlein im Abschnitt Tigerbergstrasse/Müller-Friedberg-Strasse meine Haustreppe. Unzählige Male bin ich rauf- und runtergelaufen und mir gefiel diese abwechslungsreiche Strecke immer. Von den steilen Steintreppen oben an der Tigerbergstrasse über die geschwungene S-Kurve mit den lang gezogenen Stufen, am flachen Abschnitt der Eschenstrasse vorbei und dann die Holztreppe runter bis zum Zebrastreifen an der Müller-Friedberg-Strasse: Das Dohlengässlein hat alles!
Meine Wahrnehmung der Treppe hat sich über die Zeit auch komplett verändert, meine erste Besteigung war zusammen mit meiner damaligen Freundin und jetzigen Frau Katrin. Mit den Jahren kamen die beiden Töchter dazu und sie haben uns gezwungen, die Treppe im Schneckentempo zu erkunden. Da habe ich erst die Regenrillen wahrgenommen, welche die Treppe beidseitig begleiten. Ich habe mit den Kindern den abenteuerlichen Weg jenseits des Handlaufs entdeckt. Wir haben den lauschigen, schattigen Abschnitt um die S-Kurve im Sommer genossen und eine Pause beim Bänkli eingelegt. Und ich habe gefühlte Stunden damit verbracht, die Kinder für die letzten paar Stufen bis zur Tigerbergstrasse hinauf zu motivieren.
Als Gegenpol zu dieser Langsamkeit dienten meine Wege zur Arbeit. Da bin ich oft ein paar Minuten zu spät aus dem Haus gegangen und wusste, es kommt auf jede Minute an. Das Dohlengässlein ist dann zu einer spannenden Rennstrecke geworden: im oberen Teil zwei oder drei Stufen auf einmal nehmend, um dann die lang gezogene Treppe in einem galoppartigen Rhythmus hinunterzustürzen …“

Botschafter Nicolas Senn, Hackbrettler und Moderator
Nicolas_Senn„Dass St.Gallen eine „Stägestadt“ ist, wurde mir erst am Infotag an der Universität St.Gallen bewusst. Zusammen mit einigen Kanti-Kollegen besuchte ich die Uni zum ersten Mal. Um dorthin zu gelangen, wählten wir spontan die Schlösslitreppe, um an deren Ende zu merken, dass der HSG-Campus einige Hundert Meter weiter nordöstlich liegt. Trotzdem bin ich diesen Weg auch in den folgenden Jahren meines Wirtschaftsstudiums immer mal wieder gegangen. Die spezielle, lauschige Stimmung auf dem Weg zur Uni und die morgendliche Bewegung weckten meinen Körper und meine Kreativität. So entstand auf der Schlösslitreppe auch die Grundmelodie meines Stücks „Morgestimmig 456“. Die Zahl kommt daher, dass ich auf dem Weg zwischen Bahnhof und Uni jeweils 456 Treppenstufen zurücklegte.“

Botschafter Roland Stieger, typografischer GestalterRoland
„Jede Treppe ist ein Angebot. Schritt um Schritt, Tritt um Tritt, im Rhythmus des Atems steige ich hoch. Gedanken lösen sich aus Schlaufen und Windungen. Das Emporsteigen mag ich mehr als das Hinuntersteigen, das hängt vielleicht mit meinem Namen zusammen. Abwärts renne ich meist zu einem Termin oder auf den Zug und komme ausser Atem. Hinauf gehe ich langsam, ich habe Zeit zum Nachdenken, ich geniesse die Zeit nur für mich, empfinde dies als eine Art Meditation. Belohnt werde ich mit einem schönen Blick über die Stadt und darüber hinaus, über den Rosenberg, dahinter die silberne Linie des Bodensees, über die Grenzen.“

Botschafter Alex Truniger, RentnerAlex_Truniger
„Nach meiner Pensionierung im Jahr 2007 wollte ich St.Gallen noch besser kennenlernen. In unzähligen wunderschönen Wanderungen erkundete ich die herrliche Natur und viele spannende Wege. Auf Quartierswanderungen traf ich auch immer wieder unbekannte Treppen an. Dies weckte in mir den Plan, alle offiziellen Treppen der Stadt zu besteigen. Dabei stiess ich auf das Projekt „Stägestadt“, dank dem ich dann die nötigen Informationen und das Treppenverzeichnis hatte. In mehreren Nachmittagswanderungen erklomm ich sämtliche aufgelisteten Treppen mit insgesamt rund 13’000 Stufen und legte dabei rund 90 Kilometer zurück. Ich entdeckte die verschiedenen Quartiere mit ihrem eigenen Charakter und den zahlreichen mir unbekannten Treppen. Es war sehr spannend und teilweise auch anspruchsvoll, die Wanderrouten so zu gestalten, dass ich möglichst viele Treppen auf der gleichen Tagestour integrieren konnte. Die Anzahl und Vielfalt der Treppen haben mich sehr beeindruckt und ich bin nun froh und glücklich, alle rund 140 Treppen unserer Stägestadt kennengelernt und bestiegen zu haben.“

Wer das Projekt „Stägestadt“ ideell, tatkräftig oder finanziell unterstützen und damit weiterverbreiten möchte, kann sich bei Patrick Fust, dem Leiter der Projektgruppe, melden. Man kann sich auch an ihn wenden, wenn man einen Anlass auf den Treppen organisieren möchte und dafür Unterstützung sucht.

Patrick Fust
Hebelstrasse 10
CH-9000 St.Gallen (Schweiz)
patrick.fust@bewegung-in-die-schule.ch
+41 71 222 83 38